Pressestimmen

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„Melancholischer Glanz von Severin von Eckardstein in Paris“                        1. Februar 2020, von Vincent Guillemin

 [ … ] Die jüngste Aufnahme des Zyklus ‚La Maison dans les Dunes‘ von Gabriel Dupont , gestorben 1914, in Verbindung mit den ‚Images‘ von Debussy, 1918 gestorben, beweist [ … ] die außergewöhnliche Meisterschaft der Sprache des Künstlers. In der Saint-Jean-Kirche von Montmartre, warm an Goldverziehrungen, doch kalt an Temperatur an diesem Winterabend, wandte sich der Pianist dem Dupont-Zyklus seines letzten Albums zu, um ihn mit der ‚Polonaise-Fantaisie‘- Opus 61 von  Chopin zu verbinden, dann einem selten gespielten Zyklus von Schumann, ‚Danses de la Communauté de David‘ ( Davidsbündlertänze ) opus 6.

Denjenigen, die das Werk von Dupont nicht kennen, vor allem den Liebhabern der französischen Musik des XIX. Jahrhunderts und – noch genauer – denen von Debussy, kann man einzig den Rat geben, sich ganz schnell der Aufnahme des Pianisten, erschienen im Jahr 2018, anzunehmen. Denn schon ab dem ersten von zehn Stücken, in ‚Dans les dunes, par un clair matin‘, zeigt sich die Ausdruckskraft und das ganze Wesen eines mit 30 Jahren bereits ausgereiften Komponisten.

Die Darbietung Eckardsteins zeigt kraftvoll sein ganzes Können, eine seltene Intensität und eine hohe Intelligenz bei einem Werk, das er ganz ohne Noten spielt. Die Kälte zwingt ihn, seine Finger zu wärmen, indem er zwischen den Stücken darauf bläst  […] . Alle ‚modéré‘ Teile, von der ‚Mélancolie du bonheur‘ bis zu den abschließenden  ‚Houles‘ , zeigen den gleichen Bogen und die gleiche Kraft, voller Zartheit, im Bass eingeschränkt durch die einebnende Akustik,  trotz eines Bechstein-Flügels mit besonders warmem Klang.

Die Polonaise-Fantasie von Chopin beginnt mit der gleichen Hingabe, die vom Pianisten besonders deutlich, aber nie demonstrativ, gezeigt wird. Dennoch  nutzt er dabei alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel, angefangen bei den beiden Pedalen bis hin zu diskreten Accelerandos, um eine Botschaft zu entwickeln, die wir besonders gerne in einem anderen Saal hören würden. Schließlich kommt er zu den ‚Davidsbündlertänzen‘, eingeführt von einem ‚lebhaft‘, schon perfekt vorbereitet, welches in eine neue Melancholie hineingleitet, weniger direkt, doch genauso stark wie bei Dupont mit dem Stück Nr. II  ‚Innig‘ . Die Teile ‚Mit Humor‘ zeigen die Fähigkeit Eckardsteins, jeden Tanz dieses op. 6 von Schumann fein zu differenzieren, bis zu einem ‚Wie aus der Ferne‘, gefolgt von einem zarten, letzten Tanz ‚Nicht schnell‘.

Ein Stück von Tschaikowsky komplettiert einen musikalisch großartigen Abend, doch mit einer kalten Melancholie, wenn man darüber nachdenkt, was er bei einer Akustik wie der vom Salle Gaveau oder in der Cité de la Musique  hätte sein können.

 

„Warmherziges Plädoyer für den vergessenen Komponisten Dupont“
von Christo Lelie,  28-01-2020, Concertgebouw Amsterdam

Rezitals in der Reihe Mesterpianisten zeichnen sich in der Regel durch Programme aus, die aus lauter bekannten Werken der Tastenliteratur bestehen. Da dieses Repertoire von Top-Pianisten aufgeführt wird, sind diese Konzerte sicherlich interessant und sie erfüllen einen Bedarf. Es wurde jedoch eine Menge an Klaviermusik komponiert, die nie den Status eines ständigen Repertoires erlangt hat und in großen Sälen daher nur selten zu hören ist, was aber auf jeden Fall der Sache wert ist.
Es sind genau solche unbekannten Kompositionen, die nur in besten Interpretationen durch große, von diesen Kompositionen inspirierten Musikern „landen“ können. Das wagen sie jedoch nur selten, da sie wissen, dass die Konzertveranstalter nicht besonders interessiert sind: Unbekanntes ist in der breiten Öffentlichkeit ungeliebt, und ein leerer Saal ist ein teurer Spaß.
Severin von Eckardstein ist einer der wenigen Klaviermeister, die es wagen, regelmäßig völlig unbekannte Stücke in seinen Rezitals zu spielen. Das hat er auch am Sonntag, den 26. Januar in Amsterdam gemacht. Und ja, der große Saal im Concertgebouw war etwas weniger gut besetzt als sonst, aber die Leute, die zu Hause blieben, hatten diesmal Unrecht.
Das unbekannte Werk, das einen großen Teil seines Programms ausmachte, war der umfangreiche zehnteilige Zyklus „Das Haus in den Dünen“ von Gabriel Dupont (1878-1914). Der Name dieses französischen Komponisten sagt vielen echten Musikkennern überhaupt nichts. Er scheint total vergessen zu sein. Dies ist teilweise auf die Tatsache zurückzuführen, dass Dupont, der in jungen Jahren starb, bei sehr schlechter Gesundheit war, was bedeutete, dass er kaum an die Öffentlichkeit gehen konnte. Darüber hinaus sind Duponts technisch und musikalisch anspruchsvolle Kompositionen weniger innovativ und zugänglich als die seiner Zeitgenossen wie beispielsweise Debussy, Ravel oder Rachmaninow. Sie kommen nur unter den Händen eines Virtuosen zur Geltung, der in der Lage ist, ihnen die Farbe und emotionale Ladung zu verleihen, die in ihnen verborgen ist. Severin von Eckardstein ist solch ein leidenschaftlicher und einfühlsamer Botschafter für Dupont, wie sein beeindruckendes Rezital zeigte.
Duponts Zyklus ist ein zugleich impressionistisches und expressionistisches Ego-Dokument, in dem er im ständigen Kampf gegen den Tod einen Tag beschreibt, den er in einem Haus auf den Dünen in Arachon verbringt, einer Stadt an der Südwestküste Frankreichs. In den zehn Teilen, die poetische Titel tragen, drückt er wunderschön aus, was er erfährt und erlebt, von einem klaren Morgen bis zur nächtlichen Pracht der Sterne und den vom Wind getriebenen Wellen („Houles“). Duponts Stil tendiert zum Impressionismus von Debussy, ist aber noch stärker in der Spätromantik verwurzelt, wie dies auch in den Werken des Russen Nikolai Medtner zu finden ist. Erzählende, singbare Melodien sind nicht sein Terrain. Umso mehr geschieht in den Harmonien und pianistischen Farben. Es war wirklich genial, wie schön Von Eckardstein es schaffte, Duponts Geschichten wie Wahres zu erzählen. Wunderbar zum Beispiel waren die verschiedenen Arten von Regenböen, die in „Mont frère le Vent und ma soeur la Pluie“ (Mein Bruder, der Wind und meine Schwester, der Regen) zu hören waren. Von Eckardsteins vielschichtiges Klavierspiel erweckte den Eindruck, dass er mit farbigen Spots stets andere Facetten von Duponts Musik ausleuchtete. Inmitten der pianistisch komplexen Teile gab es die klare, lyrische Gesangslinie in Teil 9, „Clair d’étoiles“, ein Moment von immenser Schönheit.
Severin von Eckardstein begann sein Konzert mit einer Musik, die zwar sehr berühmt ist, nicht aber in dieser Version für Piano solo: mit „Prélude à l’après-midi d’un faune“, dem entzückenden Orchesterwerk von Claude Debussy. Er spielte es in der Klaviertranskription von Vyacheslav Gryaznov. Egal wie raffiniert dieses Werk auch immer für Klavier umgesetzt sein mag, und wie differenziert Von Eckardstein es auch spielte, dieses Arrangement kann nicht an die farbenfrohe und zündende Instrumentierung heranreichen, die diese statische Musik in der ursprünglichen Orchesterversion so magisch und charmant macht.
Nach der Pause kehrte Von Eckardstein zum bekannten, romantischen Repertoire zurück. Er spielte Chopins Polonaise-Fantasie in As, opus 61, überwiegend in einem lyrischen, improvisierten und leichten Ton. Umso überwältigender waren die dynamischen Höhepunkte, in denen die Polonaise in voller Kraft aufblühte.
Schließlich gab es in Von Eckardsteins Darbietung der kompletten „Davidsbündler Tänze“, opus 6 von Robert Schumann, viel zu erleben und zu genießen. In diesem, aber auch in allem anderen, was er heute Abend aufgeführt hatte, zeigte Severin von Eckardstein, dass für ihn Technik, Fantasie und Noblesse Hand in Hand gehen.

Zugaben waren das tanzende „lyrische Fragment“, op. 23 Nr. 3 von Medtner, und dann Prokofjews hämmerndes „Suggestion diabolique“, op. 4 Nr. 4, das das gleiche herzhafte Dessert war, mit dem zu Beginn dieser Serie schon Boris Giltburg sein Publikum aufgerüttelt hatte.

 

„Gehen Sie abseits der ausgetretenen Pfade“
(„Sortir des sentiers battus“)
Publié par fredreibell. 17. Januar 2020

[ … ]  Severin von Eckardstein ist ein großer deutscher Pianist der gleichen Generation wie Sudbin. In Frankreich ist er trotz seines ersten Preises beim internationalen Wettbewerb der Königin Elisabeth von Belgien noch wenig bekannt. Die Presse und die Kritiker interessieren sich immer mehr für seine Arbeit, sind sich aber offen gesagt sicher, dass sie damit wohl früher hätten beginnen sollen.

Glücklicherweise hat Philippe Cassard, der ein wunderbares Programm in France Musique moderiert, Eckardstein eine ganze Sendung gewidmet, die Sie unbedingt anhören sollten, um sich ein Bild von der Schönheit des Spiels des deutschen Pianisten zu machen. Der große französische Pianist erinnert an die Virtuosität von Eckardstein, sein Spiel, ‚eine unglaublichen Perfektion in der Verwirklichung‘, seine Fähigkeit, „eine Poesie zu destillieren, eine Kunst des Gesanges, sein Sinn für Rubato, seine Flexibilität“ sowie ein „Sinn für Farbe“. Aber wie Philippe Cassard, selbst Pianist (und was für ein großartiger Pianist!) perfekt erklärt, gibt es bei Severin von Eckardstein eine Art „Wahnsinn“, der die Musik, die er interpretiert, sublimiert und die Zuhörer zu Gipfeln bringt, zu denen Sie nur wenige Pianisten mitnehmen können. […]  Wenn Sie in der Region Paris leben, sollten Sie die Gelegenheit nicht verpassen, einen großartigen musikalischen und poetischen Moment zu erleben […]

  

Der Pianist Severin von Eckardstein und der Cellist Isang Enders sind ein Traumteam
Eröffnungskonzert der Saison 2019-2020, Edesche Concert Hall, 21/9, Ede
Wenneke Savinije

[ … ]  Das Besondere an Von Eckardstein ist, dass er sich als außerordentlich talentierter Pianist von Natur aus auf dieser metaphysischen Grenzlinie zwischen Traum und Tat, Vorstellungskraft und materialisierter Struktur, Begehren und Manifestation bewegt. Seine Art Musik zu machen, erinnert an strömendes Wasser, fließend und beweglich, Wellen ohne auferlegte Grenzen, das Licht spiegelnd und brechend im Fächer fein gemalter Farben.

Es spricht für die durchweg überraschend gute Programmwahl des Edesche Concertzaal, der dies bereits zum siebten Mal macht, dass dieser besondere Mensch nun „Artist in Residence“ dort ist. Van Eckardstein wird am 26. Januar 2020 auch ein Solorezital in der Reihe Meester Pianisten spielen, wo er ein gern gehörter Gast ist, doch in Ede wird er auch andere Seiten von sich sehen lassen. Nur in einem der drei Konzerte in der von ihm zusammengestellten Serie ‚Die Wahl von Severin von Eckardstein‘ spielt der Pianist Solowerke von Chopin, Schumann, Debussy und Dupont. Bei den beiden anderen Konzerten spielt er Kammermusik: am letzten Samstag mit dem Cellisten Isang Enders und später in der Saison mit der Cellistin Quirine Viersen und dem Flötisten Aldo Baerten.

Am Samstagabend eröffnete Von Eckardstein zusammen mit dem deutsch-koreanischen Cellisten Isang Enders die Saison in Ede, was zu einem glorreichen Abenteuer führte, in dem das Duo mit Werken von Mendelssohn, Prokofjew, Medtner, Charlotte Bray und Beethoven mehr als wahr machte, was Von Eckardstein sagt anzustreben: „Ich möchte die Menschen durch atemberaubende musikalische Landschaften führen und so vielleicht vergessene Erfahrungen hervorholen.“ Diese Mission führt er mit einer natürlichen Virtuosität aus, die bei allem, was er spielt, so unaufdringlich und selbstverständlich vorhanden ist, dass man fast vergessen könnte, wie gut Von Eckardstein unter seinen Händen das Klavier mit welchem Repertoire auch immer beherrschen kann. Aber in Ede gingen das Duo Von Eckardstein und Enders beim Musizieren noch einen Schritt weiter: Es wurden auch unvergessliche Erfahrungen „geschaffen“.

Pianist und Cellist erwiesen sich instrumentell und musikalisch als perfekt aufeinander abgestimmt und bildeten, vom ersten Moment an bereits, spontan einswerdend mit der sprudelnden Partitur von Mendelssohns Cellosonate Nr. 2, ein „Traumteam“. Ausgelassen, temperamentvoll und energisch wechselten sich Von Eckardstein und Enders in Mendelssohns brillantem Geist ab. Dies führte zu spannenden Dialogen, überschwänglicher Fröhlichkeit und romantischem Singen, wobei der offene Deckel des enormen Bösendorfers, aus dem Von Eckardstein scheinbar mühelos einen Regenbogen funkelnder Klänge und Farben in allen dynamischen Farben heraufbeschwor, nie eine Bedrohung für das kraftvolle und singende ‚Spiel von Enders darstellte, da sich das beidseitige Gleichgewicht, in dem sich beide großzügigen Musiker immer wieder fanden, so natürlich mit der Musik bewegte.

Es folgte eine bemerkenswerte Aufführung von Prokfjews Cellosonate in C. 119, in der Enders dunkel und sonor einen „haunting“ Klang aus seinem Cello holte, um der makabren Atmosphäre des Andante-grave gerecht zu werden. Nobel, kämpferisch und manchmal verspielt arbeitete sich das Duo durch die bedrohliche Materie von Prokofjews dreiteiliger Cellosonate, die während der Zeit geschrieben wurde, als er von den Sowjets westlicher Sympathien beschuldigt wurde, eine bedrückende Situation, in der der rebellische Prokofjew jedoch den Drachen noch zu pieksen scheint.

In Medtners poly-melodischem ‘Vier Lyrische Fragmente’, Opus 23, ließ Von Eckardstein den Flügel ab und zu wie ein komplettes Orchester klingen, aber es gab auch Passagen ausgedünnterer Klänge, wie den wunderbaren hüpfenden Walzer aus dem dritten Fragment. Von Eckardstein setzt sich gerne für die grillige Melodik von Medtners Musik ein, und dies war zu hören in der Intensität seiner Stimmführung und Anschlag. Auch Enders, bewaffnet mit Laptop und Lautsprecher, brachte ein Solowerk zu Gehör, in dem wunderschöne, wie Wasser mäandernde Arpeggios, eine angenehme Unverbindlichkeit suggerierten. Charlotte Brays ‘Suya Dalmak’-Experiment war als Konzept nicht weltbewegend, aber angenehm für die Ohren und so ein Erfolg.

Abschließend spielte das Duo die Cellosonate Nr. 3 in A, op. 69, von Beethoven, wobei Von Eckardstein als „Primadonna“ die künstlerische Führung in den spannenden Dialogen übernahm. Doch Enders folgte ihm genau und antwortete mit Enthusiasmus und Flair auf die lebhaften, stromlinienförmigen und kontrastierenden Klangausbrüche, die stilvoll aus dem Klavier sprudelten. Selten klang Beethoven so energisch und enthusiastisch, nicht etwa weil die Musiker sich beweisen wollten, sondern gerade weil sie sich ganz in Beethovens Sonate vergessen hatten. Es folgte noch eine von Von Eckardstein selbst komponierte Zugabe für Cello und Klavier, in der die Vielseitigkeit des Pianisten in einer wunderbaren Mischung aus (post) romantisch und modern zum Ausdruck kam, und worin auch Enders sich zu Hause fühlte, wie ein Fisch im Wasser.

 

„Magische Musikkunst des Meisterpianisten Von Eckardstein in Muziekgebouw Eindhoven“
Cornélie Hoendervanger 10-05-2019,  Eindhovens Dagblad

Wenn Sie alleine am Flügel einen ganzen Abend lang Musik so spannend erklingen lassen können, dass das Publikum atemlos zuhören muss, gehören Sie zur Weltspitze. Der deutsche Großmeister Severin von Eckardstein, der am Donnerstag zum dritten Mal mit seiner magischen Musikkunst nach Eindhoven zurückkehrte, besetzt einen Platz in dieser Königsklasse.

Er kennt keine technischen Grenzen und stellt seine fantasievolle Kreativität stets in den Dienst der Komponisten. Seine Zauberformeln sind Timing, ein unbeschwerter Anschlag und ein hypnotisierender Erzählstil. Stets beschert er einen schönen Überblick über die Klavierliteratur und widmet sich dem, was sich hinter den Noten verbirgt. So klang Schuberts Fantasiesonate wunderbar, mit einer ruhigen Intimität. Leicht wie eine Feder ließ er Schubert zum Himmel schweben, und ein gewagtes, sehr langsames Tempo im ersten Teil führte die Spannung zu einem Höhepunkt.

Beeindruckend: In Opus 119 von Brahms lotete Von Eckardstein mit einer einzigartigen persönlichen Vision die Tiefe aus. In vier der allerschwierigsten Etüden von Liszt zeigte er, dass er sich mit den vielen notenfressenden Virtuosen dieses Jahrhunderts leicht messen lassen kann, diese Kollegen in einer weiteren Dimension sogar übertraf, einer großartigen Vorstellungskraft, die in der Liszt-Akrobatik verborgen ist. Was für ein halluzinierendes Irrlichtern und eine schwüle Ricordanza, alles eingetaucht  in eine dämonische Glut: ein fantastisches Erlebnis. Nach der Zugabe, Liszts Petrarca-Sonett, fragen die Klavierfans denn auch: ,, Wann kommt Von Eckardstein nochmal ins Muziekgebouw?“

 

„Einfach bravourös“
Die Rheinpfalz, 18.01.2019, VON GABOR HALASZ

Als Offenbarung in Sachen Beethoven hat sich der Kammermusik-Abend in den Reiss-Engelhorn-Museen erwiesen. Mit seiner Aufführung der drei letzten Klaviersonaten (E-Dur op. 109, As-Dur, op. 110 und c-Moll, op. 111) setzt Severin von Eckardstein Maßstäbe: pianistische, musikalische und interpretatorische.

Sein Konzert gehört zu den Höhepunkten dieser Saison in unserer Region – Beethoven in Superlativen. Es fällt schwer, sich eine überzeugendere Lesart, eine authentischere und ästhetisch vollendetere Darstellung der drei späten Sonaten ihres Schöpfers vorzustellen – dieser klingenden Denkmäler abendländischer Kultur. Diesmal stimmte alles: Die drei Gipfelwerke (die möglicherweise auch als Einheit verstanden und unter einer Opuszahl zusammengefasst hätten werden können) entfalteten ihre ganze erhabene Größe.

Es begann bei von Eckardsteins spielerischer Bravour. Zugegeben: Virtuose Instrumentalisten sind heute in der jüngeren Generation, zu der der 40-Jährige zählt, alles andere als selten. Hierzulande ist der deutsche Pianist, geboren in Düsseldorf, verhältnismäßig weniger bekannt, obwohl er Sieger und Preisträger renommierter Wettbewerbe ist, Partner prominenter Dirigenten, Orchester und kammermusikalischer Mitspieler in exklusiven Konzertsälen. Was er im Florian-Waldecksaal zeigte, erschien absolut außergewöhnlich. Mehr als Severin von Eckardstein im Mannheimer Zeughaus haben auch die meist gefeierten Spitzenstars der internationalen Pianistenelite nicht zu bieten. Es ging dabei nicht vorrangig um spektakuläre Tastenakrobatik – auf die sich von Eckardstein auch versteht. Wichtig war zunächst der volle pastose, schattierungsreiche Klavierklang, waren die majestätisch dröhnenden Forte- und Fortissimo-Passagen, die sich mit unerhört subtilen, gleichsam entmaterialisierten Piano-Klängen unmittelbar abwechselten. Zudem verstand es von Eckardstein meisterlich, das Klavier nicht nur zum Klingen, sondern auch zum Singen zu bringen: selbst auf hohem Niveau alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Die langsamen Sätze bestachen durch ein betörendes Höchstmaß der Intensität und Wärme des Ausdrucks. Sie wurden Beethovens Vortragsangabe zum letzten Satz der E-Dur-Sonate allesamt gerecht: „Gesangvoll und innigster Empfindung“. Ihnen standen in der c-Moll-Sonate die majestätischen Töne und lapidaren, schroffen Akzente des ersten Satzes entgegen. Unwiderstehlich gefesselt wurde der Zuhörer, last not least, von der gedanklichen Dichte der Wiedergaben. Beethovens mehrstimmige Strukturen legte der Pianist in aufregender Prägnanz frei, so in der c-Moll-Sonate und ganz besonders in der Fuge des As-Dur-Werks.

 

New York, Park Avenue Armory
Susan Hall – Nov 15, 2018, Berkshire Fine Arts

Severin von Eckardstein, the young German pianist, trailing multiple awards, arrived in New York for two concerts featuring Robert Schumann, for whom he has a clear affinity.  If the composer were with us, he would have reciprocated.

The second concert was bracketed by Schumann’s Fantasie in C Minor, which the composer dedicated to Franz Liszt, and Liszt’s Piano Sonata in B Minor, which he in turn dedicated to Schumann. Schumann actually bracketed the entire evening and both programs, as the final encore was also the composer’s. 

Von Eckardstein is a tall, handsome man with big hands, capable of grasping massive chords.  He chooses not to blow dry his hair, or rock to and fro on the piano bench in the style of a divo.  Instead, like his compelling and sensitive contemporary counterparts, Inon Barnatan and Conrad Tao, he is fixed on the music. His performance enchants with his attention to the sounds.  He listens carefully to the keyboard’s receipt of his fingers, hearing notes echo through the sounding board, giving the audience a chance to appreciate the overtones.

The sweetness of the soft melodies in the upper register is palpable.  Long melodies drawn forth quietly and with seeming ease are one end of von Eckardstein’s spectrum. They are strikingly delicate in contrast with the other end of the pianist’s palette, violent passions. 

When von Eckardstein wants his notes to forcefully ring out, he listens and responds to the sounding boards‘ overtones, whether he is playing notes lightly in the melody or crashing down on chords.

Among the orchestra’s he has performed with is Dallas, then under the direction of Jaap van Zweden, now Music Director of the New York Philharmonic. This concert in the beautiful Officer’s Room of the Thompson Art Center at the Park Avenue Armory is a calling card left for New York.  Surely von Eckardstein will return.

Von Eckardstein likes contemporary music.  He performed a delightful piece by Martin Heckenroder [„Herchenröder“], Paul Klee, Blatt IV.  The pianist alternated between sitting at the keyboard, and standing to pluck the strings of the piano’s sounding board.  He drew notes that  suggested Klee’s own dots and lines. Klee was a trained musician and his strokes in brush and pen have a musical lilt. [ … ]

 

Husum 2018:
„Gegenerzählungen freier Geister“, Die „Ra­ri­tä­ten der Kla­vier­mu­sik“ in Hu­sum ge­ben den Ele­gi­en ei­nes zer­zaus­ten Jahr­hun­derts ei­ne Stim­me,
F.A.Z. , 27.08.2018, von Jan Brachmann

 [ … ]   Se­ve­rin von Eckard­stein, der sich mitt­ler­wei­le den Ruf ei­nes der feins­ten, tech­nisch ver­sier­tes­ten Pia­nis­ten in Deutsch­land er­wor­ben hat und sich von den land­läu­fi­gen Re­per­toire­vor­lie­ben des Be­triebs be­wun­derns­wert un­be­ein­druckt zeigt, stellt ei­ni­ge Stü­cke aus dem Zy­klus „La mai­son dans les du­nes“ (Das Haus in den Dü­nen), 1910 von Ga­bri­el Du­pont kom­po­niert, vor, den er kürz­lich auf CD (bei Ar­ta­lin­na) her­aus­brach­te. Es ist ein erns­ter Zy­klus, der sich auf ei­ne Land­schaft über im­pres­sio­nis­ti­sche Mo­ment­auf­nah­men hin­aus ein­lässt, Na­tur- und See­len­zu­stän­de in ei­nen Dia­log bringt und sich kei­nes­wegs auf Idyl­len be­schränkt.

Aqua­rel­le in Grau- und Sand­tö­nen („In den Dü­nen an ei­nem kla­ren Mor­gen“) fin­den sich dar­un­ter ge­nau­so wie pas­to­se Mo­nu­men­tal­ge­mäl­de („Bran­dung“) und be­drü­ckend stil­le Zeich­nun­gen („Abends im Kie­fern­wald“). Eckard­stein, der es ge­nau­so ver­steht, leicht und oh­ne Pe­dal die Son­nen­fle­cken auf die be­weg­ten Wel­len zu tup­fen, wie den Klang mit gro­ßer Fül­le auf­rau­schen zu las­sen, hat in der Phra­sie­rung ein ge­nau­es Ge­spür für die har­mo­ni­schen Bau­plä­ne die­ser Stü­cke. Und er stellt star­ke me­lo­di­sche Zu­sam­men­hän­ge her, die um­so wich­ti­ger sind, je wei­ter sich die Har­mo­nik aus den tra­di­tio­nel­len Bin­dun­gen der To­na­li­tät löst.   [ … ]

 

„Von Eckardstein bot schiere Akrobatik und fließendes Zusammenspiel mit Dirigent und Orchester“
De Volkskrant  (5 Sterne), 17 Juli 2018, von FRITS VAN DER WAA

… Schon in den musikalischen Miniaturen von Debussys ‚Children’s Corner‘ ließ das Orchester aus Enschede allerschönste Beispiele an Farbschattierungen aufscheinen. Aber das war erst ein Vorgeschmack auf den Rausch an Farben, der dann folgte, gemeinsam mit dem Pianisten Severin von Eckardstein, hingegossen in Ravels Klavierkonzert in G. Der Pianist bot schiere Akrobatik und fließendes Zusammenspiel mit Dirigent und Orchester, gleichsam zwischen direkt neckendem Spiel und pianistischen Perlenvorhängen, von Zeit zu Zeit geöffnet für Klänge mit einer räumlichen Illusion, wie verschwimmende Blicke in die Ferne. Herrlich war der gezügelte Übermut im letzten Teil…

 

„Sakrale Wucht“
Der Pianist Severin von Eckardstein in der Allerheiligen Hofkirche
Süddeutsche Zeitung, 20. März 2018,  Andreas Pernpeintner

Es sind bemerkenswerte Interpretationen, die Severin von Eckardstein bei seinem Klavierabend in der Allerheiligen Hofkirche vorstellt. Wenn dabei ein bestimmtes Merkmal besonders hervortritt, dann ist es die exquisite Klarheit, mit der er leise Passagen beleuchtet. Die zarte Schönheit seiner Oberstimmen ist bestechend. Das zeigt sich schon zu Beginn bei einer Auswahl aus Robert Casadesus‘ Préludes op. 5. In Summe stellen diese Miniaturen umfassende Herausforderungen – und so gibt es neben sanft entschwebenden Linien auch kräftige Virtuosität zu hören. Schönbergs Sechs kleine Klavierstücke op. 19 hätte Eckardstein offenbar gerne unmittelbar angeschlossen. Er verharrt einen Moment zu lange, und der Applaus sorgt für Trennung. Das Reduzierte dieser Musik ist frappierend – und tatsächlich gilt dies mitunter auch für Beethovens Klaviersonate op. 110. Eckardstein spielt den ersten Satz geradezu gläsern, gleichsam als Vorausahnung der Arietta aus der Opus 111. Umso stärker ist der Kontrast, wenn er die Kontrapunktik, die Beethoven in dieser Sonate untergebracht hat, mit so mächtigem Pedal ausstattet, dass sie im Gewölbe der Hofkirche sakrale Wucht entfaltet.

Passt Eckardsteins Handschrift nach der Pause und Wagners „Karfreitagszauber“ in der Klavierbearbeitung von August Stradal auch zu Liszts h-Moll-Sonate? Sie ist ideal, um das Seitenthema blühen zu lassen. Und einfach berückend ist die friedliche Ruhe, mit der Eckardstein das Andante sostenuto darbietet. Des Nachdenkens wert ist aber die Spielweise, die er – abgesehen von triumphalen Akkorden – diesen lyrischen Momenten gegenüberstellt: Er verweigert den hochvirtuosen Läufen konsequent den süffigen Überwältigungsklang, spielt sie motorisch und herb. Ob man deshalb etwas vermisst, ist Geschmackssache. Doch selbst wenn, entschädigt einen Eckardstein umgehend, denn durch die prägnante Akzentuierung, mit der er eine Fülle an kaum je gehörten Details aus dem dichten Satz herausarbeitet, präsentiert er eine spannende individuelle Lesart dieser Sonate.

 

SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs:
Vorgestellt von Eleonore Büning, Freitag, 5. Mai 2017

 Immer noch ein Geheimtipp:
Severin von Eckardstein,  Robert Schumann: Klavierwerke CAvi  8553366 

[ … ] Dieser Pianist muss eigentlich nicht mehr entdeckt werden. Severin von Eckardstein wurde längst entdeckt. Einmal, als er 19 war, beim „Busoni“-Wettbewerb in Bozen. Und dann nochmal, als er 25 war und den „Reine Elisabeth Wettbewerb“ in Brüssel gewann. Und den Leeds-Wettbewerb, den hat er auch gewonnen. Er konzertiert heute mit großen Orchestern und Dirigenten, wie Paavo Järvi oder Marek Janowski, er reist mit Solorecitals um die Welt, von München über Moskau nach Tokyo. Im Berliner Konzerthaus kuratiert er zurzeit eine Kammermusikserie, die heißt „Klangbrücken“. In Amsterdam am Concertgebouw hat man ihn für die Solorecital-Serie „Meesterpianisten“ engagiert. Und doch: Von dieser achtbaren Mittel-Etage ganz hoch rauf in die Weltkarriere, wo dann Carnegiehall und Majorlabels zugreifen und der Name Eckardstein auf allen Plakaten prangt – dieser Sprung ist Severin von Eckardstein bisher nicht geglückt. Das geht vielen preisgekrönten jungen Pianisten so, dass sie auf ihrem Weg nach oben unterwegs irgendwo stecken bleiben. Nicht nur Pianisten, auch jungen Geigern, Cellisten usw..  Aber beim Klavier ist der Konkurrenzkampf gewiss am härtesten. Warum? Erstens gibt es nun mal keine Stellen für „Orchesterpianisten“. Zweitens wird Klavierspielen immer auch als Hochleistungssport betrieben. In diesem Klischee bleiben die meisten stecken. Aber Musik ist kein Sport, die unfallfrei schnellsten Pianisten sind nicht die besten. Drittens ist der Klavierklang heikel. Jeder kann doch auf so eine Klaviertaste drücken, bitte sehr, schon ist ein Ton ist da. Aber ob dieser Ton nun singt und redet, ob er stumpf bleibt; ob er eine eigne Farbe hat; wie sich verschieden Töne und Farben zu einer ausdrucksstarken Klangrede oder Phrase gestalten, die uns in die Seele greift: Das ist schwer zu erlernen, das kann nicht jeder. Man nennt das, glaube ich: Musik. Severin von Eckardstein ist ein wahrhaft genialer Musiker: Er kann das alles. [ … ].

Op.111 ist ein spätes Werk Schumanns, das man nicht sehr oft im Konzertsaal zu hören bekommt. Entstanden 1851, hat man darin schon erste Depressions-Spuren der drei Jahre später ausbrechenden Krankheit entdecken wollen. Dass Severin von Eckardstein seine neue CD ausgerechnet mit dieser Rarität eröffnet, ist typisch für sein Musikdenken. Dieser Pianist bewegt sich nicht auf den ausgetretenen Repertoirepfaden. In seiner Diskographie findet sich fast ausschließlich Neues, Vergessenes und/oder Wiederzuentdeckendes: Klaviermusik von Alexander Glasunow oder Nicolai Medtner, zum Beispiel. Auch für zeitgenössische Musik und für Kammermusik interessiert sich Eckardstein, und damit lässt sich im quotenabhängigen Klassikbetrieb kein großer Blumentopf gewinnen. Das mag einer der Gründe dafür sein, warum Severin von Eckardstein, trotz seiner Preise und Erfolge, immer noch ein Geheimtipp ist. Jetzt aber hat er ein reines Schumann-Programm eingespielt: nichts als Schumann, lauter Fantasiestücke. Darunter die beliebten Fantasiestücke op.12 von 1837 sowie die große C-Dur-Fantasie op.17, eine verkappte Sonate, in etwa so schwer und so legendär wie die Beethovensche Hammerklaviersonate.  Diese C-Dur-Fantasie, die muss jeder Pianist draufhaben. Die wurde schon dreidutzendfach eingespielt,  jeder hat das im Ohr, man kann es vergleichen. Mit diesem Stück kann sich Severin von Eckardstein nun an anderen messen. Und zwar, wie Sie gleich hören können: an den Besten der Besten.  Eckardstein ist virtuos. Will sagen: Er beherrscht die Materie. Aber wo die schiere Virtuosität aufhört und die Musik anfängt, da wird es erst interessant! Eckardstein denkt analytisch, sein Gestaltungswille ist stark, die Ausdrucksmittel, die ihm zur Verfügung stehen, sind atemraubend vielfältig. So bringt er den komplexen Klaviersatz zum Reden: mit einer quasi natürlich fließenden, flexibel gehandhabten Agogik, mit Tempostauchungen, Tempodehnungen; mit  einem weichen gesanglichem Legato, mit spitz leuchtendem Markato, feindosierter Ornamentik und schön ausbalancierten Mittelstimmen, aber auch mit einer Modulation der Klangfarbgebung, die selbst einzelne Töne lebendig macht. Im Ergebnis hört sich so an, als müsse das genau so sein, als könne man das gar nicht anders spielen – und, (was vielleicht das Schönste ist):   als sei es das Natürlichste von der Welt, so Klavier zu spielen. [ … ]  Diesen Namen, Eckardstein, muss man sich merken. [ … ]

 

„Die Magie von Severin von Eckardstein“
„Meesterpianisten“am 22. 01. 2017, Concertgebouw Amsterdam
Wenneke Savenije, (5 Sterne), Montag, 30 Januar 2017, 

 Am 22. Januar J. L. spielte der feinsinnige und vielseitige deutsche Pianist Severin von Eckardstein (Düsseldorf, 1978) zum sechsten Mal ein Rezital in der Serie „Meesterpianisten“. Kurz nachdem er in 2003 den Königin Elisabeth Wettbewerb gewonnen hatte, schrieb ich im NRC Handelsblad meine erste Rezension über diesen wunderbaren, äußerst vielseitigen Pianisten: „Severin von Eckardstein spielt Klavier wie Heine Gedichte schrieb“. So ist es immer noch.

Von Eckardstein analysiert die Musik wie ein Philosoph, formt musikalische Bausteine ​​wie ein Architekt zu Traumschlössern, stellt die luziden Bauwerke in die wunderlichsten Landschaften, lässt sich tragen von Bächen und Flüssen, um mit den Sirenen zu flirten, und färbt alle Noten wie Blumen mit feinsten Schattierungen aus Goethes Farbenlehre. So etwa.

In einer selbstlosen Wolke von Melancholie und Verlassenheit kam er die lange rote Treppe im Concertgebouw herab, wobei seine Körpersprache ausdrücken zu wollen schien: „Ich bin hier jetzt auf dem Weg zum Flügel, aber es geht nicht wirklich um mich. Ich bin hier nicht zum Gefallen des Publikums. Es interessiert mich nicht, was die Menschen an mir finden, Ruhm und Erfolg bedeuten mir nichts. Ich möchte eine Welt aufrufen, die größer und bezaubernder ist als alles andere.“

In der introvertierten Art, wie sich von Eckardstein hinter den Flügel setzte, konnte man an eine musikalische Reinkarnation von Proust denken. Als ob er als romantischer Seelenverwandter des ‚Der Wanderer über dem Nebelmeer‘ in dem Gemälde von Caspar David Friedrich in der metaphysischen Welt auf die Suche nach den Geheimnissen der verlorenen Zeit gehen wollte. Nicht in Worten, sondern in Klängen. Doch dauerte es noch etwas, bis sich der Pianist ganz der Musik hingeben konnte, welche deutlich spürbar sein treuester Begleiter im Leben ist.

Von Eckardstein begann mit Schumann  Fantasiestücke Nr. 12, in denen das Spannungsfeld der beiden Alter-Egos des Komponisten deutlich wird: der ungestüme Florestan und der gereifte Eusebius. Imaginäre Landschaften entstanden und Träume zogen vorbei, worin beide Seiten von Schumanns Persönlichkeit die Zuhörer abwechselnd durch Fröhlichkeit, Trauer und tiefe Düsternis führten. Von Eckardstein bewahrte intuitiv eine gewisse Distanz, während sich die Phantasie-Bilder auf plastische Weise in äußerst feinen und nuancierten ‚Klangbildern‘ manifestierten. Es war schön, doch auch noch ein wenig unfrei.

Ravels Gaspard de la Nuit befreite von Eckardstein von seiner Zurückgenommenheit, vielleicht nur Schüchternheit. Hier kam der Pianist wirklich in Fahrt, mit einem kristallklaren, transparenten und herausfordernden Ravel, worin er mit bewundernswerter Geschmeidigkeit in seinen Phrasierungen, der Brillanz seines Klanges und ständig wechselnden Perspektiven auf das komplexe Geflecht an Melodien und Harmonien hauchfeine Farbnuancen hervorrief.

So schuf er eine Magie, die nicht zurücksteht hinter dem geheimnisvollen Zauber der untergehenden Sonne auf den besten impressionistischen Gemälden. Auch Gaspard de la Nuit besteht aus drei „Nachtstücken“: Ondine handelt von den gefährlichen Verlockungen einer verliebten Wassernymphe, in Le Gibet zeichnet sich die Silhouette eines Erhängten gegen den blutroten Abendhimmel ab und in Scarbo hält ein Quälgeist die Menschen von ihrem Schlaf ab. Ob das nun die wasserschnellen Arpeggien in Ondine, die Unheil verkündend  klingenden Todesglocken in Le Gibet oder die schikanierend wiederholten Noten in Scarbo waren, alles brachte von Eckardstein mit herrlich ausbalancierten Spiel und einer hypnotisierenden Phantasie zum Ausdruck.

Nach der Pause erklangen drei wehmütig, verinnerlicht und rein gespielte Stücke aus Sechs Klavierstücke, op. 118 von Brahms, wie wenn von Eckardstein als ein alter, vereinsamter, resignierter und vielleicht sogar nach dem Tod sich sehnender Mann über den Schlossgraben seiner verlassenen Burg blickte. Weise wie eine alte Seele, erspürte er sicher die Stimmung und musikalische Essenz dieser Brahms Stücke. Das Ungestüm der Jugend kehrte zurück mit seiner beispiellos klugen Interpretation der selten gespielten Sonate-Ballade in F, op. 27, von Medtner, einem komplexen, originellen und wild virtuos musikalischen  „Abenteuerroman“, in dem von Eckardstein die Zuhörer mit beeindruckender pianistischer Größe mitnahm auf eine Reise durch die Zeit.

Zum Schluss spielte von Eckardstein noch drei Zugaben von Medtner, Prokofiev und Grieg, bevor sich dieser Piano-Star, der kein Star sein will, wie ein Schlafwandler davonmachte

 

.„Meesterpianisten“ im Concertgebouw Amsterdam,
Trouw, 25. Januar 2017, (5 Sterne), von Christo Lelie,

Klavierspielen auf Konzertniveau ist eine physisch äußerst schwere sowie geistig komplexe Angelegenheit. Die hohe Qualität des 38-jährigen Pianisten Severin v. Eckardstein während seines Rezitals am Sonntag im Concertgebouw wurde daran deutlich, dass er die technische Seite seines Klavierspiels vollkommen beherrschte. Doch gleichzeitig verlieh er dem Spirituellen und Inhaltlichen der Musik so viel Vorrang, dass diese sportlichen und handwerklichen Aspekte unbemerkt im Hintergrund blieben. Das Materielle löste sich da im Großen Saal ganz auf, der Flügel wurde verwandelt zu einem Medium, um ausschließlich musikalische Gedanken hörbar werden und Bilder entstehen zu lassen.

Schon die ersten lyrischen Phrasen von „Des Abends“ aus Schumanns Phantasiestücken machten klar, dass von Eckardstein seine Zuhörer durch Klangschönheit, Ausdruck und Erzählkunst bezaubern würde. Dieses Versprechen machte er in Schumanns übrigen sieben Teilen dieses Zyklus allemal wahr, wobei er das phantastische Element in diesen Stücken noch mehr hätte betonen können.

Einen deutlichen Schritt weiter ging er in Ravels ‚Gaspard de la nuit‘. Im ersten Satz ‚Ondine‘ ließ er die gleichnamige, lebensbedrohende Wassernymphe verführerisch in rauschenden Wassern singen. ‚Le Gibet‘ (Der Galgen) klang düster, statisch, reduziert auf Mezzo-Schattierungen und mit einer fortdauernd läutenden Todesglocke. Äußerste Verfeinerung charakterisierte „Scarbo“ (ein nächtlicher Quälgeist), der raffinierter und leichter klang als bei den meisten anderen Ravel-Interpreten.

In 3 „Klavierstücken“ aus Brahms‘ op. 118 öffnete von Eckardstein völlig andere Klangwelten: Im ‚Intermezzo’ in A (Nr. 2)  und der ‚Romanze‘ konnte man seidenzarte Melodien genießen, in „Intermezzo“ in es (Nr. 6) kam das bedrohlich nächtliche Düstere aus Ravels „Gaspard“ wieder zurück – jetzt in Brahms` ganz eigener Musiksprache.

Kennzeichnend für von Eckardstein ist, dass er sein Publikum gerne mit unbekanntem Repertoire konfrontiert. Sonntag war dies die „Sonate Ballade“ in Fis, opus 27 von Nikolai Medtner. Dieser Land- und Zeitgenosse von Rachmaninow schrieb spätromantische Musik von großer Komplexität. Dieses selten gespielte Werk, ideal von v. Eckardstein interpretiert, faszinierte durch die typisch russischen Klänge von, unter anderem, schweren Glocken. Teil 1 (eine Ballade in klassischer Sonatenform) klang wie eine raue Berglandschaft mit in Wolken gehüllten und dadurch kaum auszumachenden Gipfeln. Das Unzugängliche der gewitzt ausgeführten Klangeruptionen und die irgendwie chaotisch daherkommende Struktur der Sätze 2 und 3, lässt Medtners Komposition nicht vollständig überzeugen – aber das lag nicht an dem großartigen Einsatz des Pianogenies von Eckardstein.

  

Raritäten der Klaviermusik,  Husum;
Rezital Severin von Eckardstein,
Von Michael Struck; Kieler Nachrichten,  Montag, 29.08. 2016

 [ … ]   … Zurück zur Konzertchronologie: Ab und zu passiert es – dann gelingt ein „Raritäten“-Debüt so, dass die drei „P“ perfekt zusammenpassen: Programm, Pianist/Pianistin und Publikumsreaktion. In der Husumer „Raritäten“-Historie denkt man da beispielsweise an Roberto Cappello, Enrico Pace, Steven Osborne, Artur Pizarro, Jonathan Plowright, Sofja Gülbadamova – und natürlich an Marc-André Hamelin. Letzten Mittwoch war es im Rittersaal wieder so weit: Severin von Eckardstein zog die Hörerschaft in seinen Bann – zunächst mit leisen Tönen. Zwei Fauré- Barcarolles (Nr. 9 und 8) lockten mit intimer Ausdruckskraft. Während sieben Préludes des komponierenden Pianisten Robert Casadesus danach recht zurückhaltend, fast ein wenig spröde klangen, war mit dem d-Moll-Scherzo des frühverstorbenen Liszt-Schülers Julius Reubke in Eckardsteins fulminanter Wiedergabe das PPP-Phänomen plötzlich da: Rasanz und Eleganz, Freiheit und Kalkül, Kantilene und sprühende Figuration bildeten eine Einheit. Überhaupt ist bei Eckardstein das, was sich bei vielen Klavierkünstlern wie Folien voneinander abziehen lässt – Fingerfertigkeit, Sprungsicherheit der Hände, Formbewusstsein, Klangsensibilität und klangliches Durchsetzungsvermögen – untrennbar miteinander verschweißt und aufeinander bezogen. Auch Witz hat der Enddreißiger, wie drei seiner 24 Techludes – darunter Nr. 17 Tacker mit teilpräpariertem Klavier – zeigten. Bei Eckardstein kann man, wie schon sein Fauré zeigte, zwischen den Zeilen hören. Bei ihm kommen – etwa in der fantastisch gegliederten Dithyrambe op. 10/2 Nikolaj Medtners – die Gegenstimmen zur Melodie gern, aber nicht vorlaut aus ihren Schlupflöchern. Das Hauptwerk des Abends, die f-Moll-Sonate op. 72 des Engländers York Bowen, ein pianistisches Hochgebirge aus dem Jahre 1923, das sich bei einer nur „soliden“ Interpretation vielleicht ein wenig mühsam dahinziehen könnte, wirkte unter Eckardsteins Händen wie ein existenzieller Kampf zwischen spätromantischem und modernem Denken, den man von der ersten bis zur letzten Sekunde gebannt verfolgte, nein miterlebte. Entsprechend enthusiastisch war die Publikumsreaktion. Ein außergewöhnlicher Abend!    [ … ]

 

Le paradis du pianophile est en Allemagne
30/08/2016 – Critiques, Par Bertrand Boissard,

  « Festival des raretés pianistiques » : tout est dit.   [ … ] Quant à Severin von Eckardstein, c’est un maître, avare de ses apparitions. Après deux Barcarolles de Fauré (certes pas des raretés) qui serpentent avec toute l’ambigüité espérée, sept Préludes de Robert Casadesus donnent une image inédite de l’interprète. Le Dithyrambe op. 10 n°2 de Medtner prend les allures d’un cauchemar lascif, la Polonaise de Scriabine jaillit tel un diable de sa boîte. Puis c’est la Sonate op. 72 de York Bowen – le „Rachmaninov anglais“ – jouée sans partition (l’œuvre est longue, complexe, torrentielle), menée avec un brio à couper le souffle, une science sonore et une finesse confondantes. L’apothéose d’un festival certainement unique au monde.  [ … ]

  

„La Lettre du Musicien“ Fr.Gaussin, Paris, 4.4.2016
„Eckardstein schöpft aus überwältigend virtuosen, farbigen Kraftquellen, einem Orchester gleich…“

 

„Intime musikalische Eleganz“
Pianist Severin von Eckardstein eröffnete Konzertsaison in Neubeuern,
OVB, 30.09.15

[ …]  Mit Schumanns „Kreisleriana“ op. 16 zeigte der Pianist seine große gestalterische Bandbreite. In den acht balladesken Stücken mit romanzenartigem Charakter schuf Schumann ein subtiles Seelenporträt. Die in nur wenigen Tagen entstandene Komposition ist eine Herausforderung für jeden Pianisten. Eckardstein meisterte sie mit Bravour! Betörend melodisch war die zweite Fantasie, deren Gesang nur von zwei übermütigen Intermezzi unterbrochen wurde, sanft und verhalten das vierte Stück mit den feierlichen Dur-Akkorden.

Die berühmte As-Dur Polonaise op. 53 von Chopin rief beim Publikum begeisterte Ovationen hervor. In diesem Werk kontrastiert elegische Lyrik mit ritterlich strahlendem Glanz. Der Pianist spielte die rasanten musikalischen Steigerungen und schmetternden Fanfarenmotive mit einer Dynamik, die einem den Atem nahm. Als Zugabe erklatschten sich die Hörer noch den „Feuerzauber“, eine funkelnd rauschende Wagner-Bearbeitung von Brassin, bei der Eckardstein ein ganzes Orchester zu ersetzen schien, und eine kurze minimalistische Eigenkomposition,